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Ignoranz verstätkt Ablehnung PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Geschäftsstelle   
Freitag, den 19. Juni 2015 um 07:58 Uhr

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Ignoranz verstärkt Ablehnung

Das Islambild in Deutschland am Dienstag Thema im Kreisausländerbeirat

Gießen (hin). Ein Vortrag über das Islambild in Deutschland hatte am Dienstagabend zahlreiche Gäste zur Sitzung des Kreisausländerbeirats geführt. Darunter waren Vertreter von im Kreistag vertretenen Parteien, Vertreter der AfD und etliche am Thema interessierte Bürger. Der rein wissenschaftlich gehaltene Vortrag von Sabrina Schmidt (Universität Erfurt) trug vermutlich dazu bei, dass sich die folgende Diskussion ebenfalls auf einer sehr sachlichen Ebene bewegte. Beiratsvorsitzender Tim van Slobbe und Younes Qrirou (Aktive interkulturelle Liste) leiteten die Sitzung. Zu deren Beginn hatten Reza Sicha und Tatjana Pfeifer über die Arbeit der Migrationsbeauftragten beim Polizeipräsidium Mittelhessen informiert.

Die Pegida-Proteste in wissenschaftlichen Studien zu erfassen, sei bislang nicht überzeugend gelungen, urteilte die Referentin aus Thüringen. Das liege auch daran, dass sich viele Pegida-Anhänger einer Befragung verweigerten. Schmidts Vortrag konzentrierte sich darauf, Ursachen und Hintergründe von Islamfeindlichkeit zu beleuchten. Sie verdeutlichte, dass es sich um empirische Daten handele, nicht um eine differenzierte Darstellung individueller Beweggründe.

Nicht-Muslime in Deutschland, in der Schweiz und in Spanien stünden dem Islam besonders ablehnend gegenüber, berichtete sie. Frankreich folgt erst an weiterer Stelle. Die Ablehnung sei höher, je weniger Kontakte zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen bestehe. Sie sei deutschlandweit am stärksten in Sachsen, am geringsten in Nordrhein-Westfalen. Der Islam werde als fanatisch und Frauen unterdrückend wahrgenommen – und das nicht erst seit dem Aufkommen der Initiative „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“.

„Die Ablehnung ist am stärksten, wo Menschen mit ihrem eigenen Los unzufrieden sind oder sozialen Abstieg befürchten“, erklärte die Referentin. Dabei handele es sich nicht nur um Bürger am äußeren linken oder rechten Rand des politischen Spektrums. „85 Prozent der Befragten gaben an, offen und tolerant zu sein. Weit mehr als die Hälfte von ihnen verfügte gleichwohl über Vorbehalte dem Islam gegenüber.“

Mitverantwortlich für das negative Bild seien „die Medien“ und zwar bis in die Kulturberichtserstattung hinein. Positive Haltungen erlebe man nur, wo direkte Kontakte zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen bestünden. Auch hier gelte: Der Kontakt muss nachhaltig sein.

Tim van Slobbe fragte „nach dem Huhn und dem Ei“. Verbessert sich das Bild durch Kontakte oder trifft man Muslime und hat hinterher noch mehr Angst? Die Referentin riet, den Muslim nicht nur als Angehörigen einer Religion zu betrachten, sondern ihn als Vater, Lehrer, Fußballfan oder Facebook-Nutzer kennenzulernen.

Auch auf dieser Ebene sei der Kontakt nicht immer einfach, wie eine Zuhörerin, die Hausaufgabenhilfe in einer muslimischen Familie gibt, erklärte. Flüchtlingspfarrer Hermann Wilhelmy forderte, Handlungsalternativen zu benennen. Die Referentin regte zu einer anderen Symbolpolitik an. Der Islam werde zu oft mit Schleier, Burka und dunklem Hintergrund dargestellt. Sie wünschte sich Räume für Begegnung, differenzierte Betrachtung und die Beseitigung struktureller Diskriminierung. Ein Zuhörer sagte, er vermisse einen Beitrag der Muslime zum Abbau der Islamfeindlichkeit.

Gießener Allgemeine Zeitung, 18. Juni 2015

 
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